Embodiment- was ist das eigentlich?

Aktualisiert: 24. Nov. 2020

Übersetzt heißt es VERKÖRPERUNG. Aber was genau ist damit gemeint, wenn man im Körpercoaching auf diesen Begriff triff?



Rene Decartes prägte unser Bild

Ich denke, also bin ich.

Kopf und Körper sind getrennte Systeme , so die Annahme. Der Kopf ist die Steuerzentrale, der Körper „hängt“ eben so dran und macht den Menschen nicht aus. Das Denken alleine „macht“ den Menschen aus.

EMBODIMENT geht davon aus, dass der menschliche Geist embodied (verkörpert) im Organismus und embedded (eingebettet) in seine Umwelt ist.


Durch die andauernde Wechselwirkung von Gehirn, Körper und Umwelt werden Bedeutung und Erfahrung erzeugt.

Es nützt nix, sich nur bestimmte Ziele bzw ein bestimmtes Mindset zuzulegen. Die Neurowissenschaft belegt, dass das Gehirn zum Lernen Erfahrungen benötigt. Als problematisch empfundene Einstellungen lassen sich nicht alleine durch kognitiven Erkenntnisgewinn verändern.

Handlungsfähigkeit kann ich nur verbessern, indem ich die Kopplungen verbessere.

Kopplungen= Übergänge von Körper zu Geist, Körper zu Umwelt, Umwelt zu Geist etc.

Beispiel: Körpergeschehen – geistiges Erleben. Was erzeugt eine bestimmte Körperhaltung auf das geistige Erleben.


Kleines Experiment gefällig?

Mache für 10sec ein grimmiges Gesicht. Schön die Zornesfalte hervorheben, die Lippen nach unten. Schau nun, welche Gedanken, Bilder, Vorstellungen, Gefühle und Erinnerungen machen sich in deinem Geist breit?



Ein weiteres, sehr gutes Beispiel ist das Gehen oder Stehen mit herunterhängenden Schultern, leicht gebückt. Vielleicht noch die Arme vor der Brust verschränkt.


Na, was kommt nun zum Vorschein?


Wahrscheinlich eher negative Gefühle, energielos, vielleicht auch die Erinnerung an traurige Momente in deinem Leben.


Was da geschieht: das Gehirn bekommt ein Signal und der damit verbundene Zellverband wird aktiviert (pattern completion); diese Zell-Netzwerke entstehen durch entsprechende Erfahrungen in der Vergangenheit.

So, wie bei den beiden Beispielen eher negative Erinnerungen aktiviert werden, geht der Weg natürlich auch in die positive Vergangenheit.


Aber: Embodiment lässt sich nicht instruieren!


Ich kann zwar X-Regeln im Kopf verankern (direkte Instruktionen geben, bestimmte Körperhaltungen in bestimmten Situationen anzuwenden, bestimmtes Verhalten an den Tag legen), diese werden dann aber in Stress-Situationen nicht abrufbar sein. Da sie ja „nur“ eingeredet sind und demnach über den Verstand kommen, sind sie nicht so schnell wie die unbewussten Automatismen und diese sind eben nicht mit diesen Instruktionen gefüllt.

Eine direkte Instruktion, die sich für mich nicht echt und stimmig anfühlt, wird auch nie echt sein. (Inkonsistenz).


Du kannst dich noch so gesund, stark und glücklich reden – wenn du es nicht spürst, ist es nicht wahr (genommen).

Das fühlt sich weder für dich selbst noch für deine Umwelt echt an.


Wie bekomme ich nun Zugriff auf mein Embodiment?


Embodiment kann nur von innen kommen. Ich kann es aber üben und in meinen Alltag integrieren.

Wenn du nun z.B. mit Sport anfängst und dein Körper immer mehr an Fitness gewinnt, wird sich das auch positiv auf deinen Geist auswirken. Veränderst du durch Training deine Körperhaltung (der Rücken richtet sich immer mehr auf), wirst du auch gedanklich aufrechter durchs Leben gehen.

Genauso verhält es sich mit deiner Umwelt. Verbringst du viel Zeit in der Natur, nimmst diese bewusst wahr, gibst deinen Zellen soviel Sonnenlicht wie möglich, erhellt sich auch dein Geist immer mehr, wirkt dem Stress des Alltages entgegen.

So gibt es eine Reihe von Möglichkeiten, die Wechselwirkungen von Körper, Geist und Umwelt zur positiven Veränderung zu nutzen.


Bei all deinen Vorhaben und Veränderungsprozessen, bedenke bitte, dass unser psychisches System zwei Möglichkeiten der Bewertung von Informationen und Situationen hat:


1. Der Verstand (Bewertungskriterium: ist etwas sachlich richtig?)

2. Das unbewusste, emotionale Erfahrungsgedächtnis (nach G.Roth)


Die Kriterien zur Bewertung sind bei beiden Systemen unterschiedlich

Verstand= ist etwas sachlich richtig, logisch, vernünftig? Unbewusste = ist es mir angenehm, habe ich Lust darauf?


Wenn es zwischen diesen beiden Systemen zu unterschiedlichen Ergebnissen kommt, erleben wir das als Problem.

Beide Systeme nutzen unterschiedliche Kommunikationsmittel


1. Der Verstand benutzt Sprache; Der Verstand braucht länger, um Dinge zu verstehen bzw in Worte zu fassen (langsam arbeitendes Instrument)

2. Das Unbewusste verfügt nicht über Sprache! Es kommuniziert über somatische Marker (Körpersignale) und ist immer schneller

(nach Antonio Damasio)



Aus diesem Grunde ist das Einbeziehen des Körpers, seiner erlernten und erfahrenen Muster immer notwendig, um wirkliche Veränderung zu erzielen. Und zuweilen ist es einfach auch nur hilfreich, ein Bewusstsein für diese erlebte Ambivalenz zu erhalten.


Wenn du Fragen zum Thema hast, melde dich gerne bei mir.


Ich freue mich auf dich!


Andrea


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